Vor langer Zeit, um das Jahr 270 nach Christus, wurde an der südlichen Küste Kleinasiens, in der Hafenstadt Patras ein Kind geboren. Es bekam den Namen Nikolaus. Seine Eltern waren reiche, wohltätige und herzensgute Menschen. Sie waren fromme Kaufleute. Sie lehrten ihrem Sohn die vielen guten Werte, die wir heute in der Bibel nachlesen können. Und so lernte der junge Nikolaus bereits im frühen Alter zu teilen, zu Helfen und für andere Menschen da zu sein. Nikolaus verbrachte viele Stunden damit, den armen Menschen in der Stadt Gutes zu tun.
Als Nikolaus etwas älter war, wurde er zum Priester. Kurz darauf starben seine Eltern und hinterliessen ihm ein riesiges Vermögen. Nikolas aber teilte alles, was er besass mit den weniger privilegierten Menschen der Stadt.
In Nikolaus Nachbarschaft lebte ein verarmter adliger Mann. Er hatte drei Töchter. Aber die Familie war so arm, dass niemand eine der drei Töchter heiraten wollte. Eines Abends sagte der verzweifelte Vater zu seinen Töchtern: «Ich weiss nicht mehr, wie es weitergehen soll. Wie haben kein Geld mehr, uns fehlt es an allem.» In seiner grossen Not sagte der Vater zu seinen Töchtern, dass er sie bald auf die Strasse schicken muss, damit sie immerhin einige Münzen als Bettlerinnen verdienen können, damit sie nicht vor Hunger sterben müssen.
Nikolaus hatte alles mit angehört. Er war zu dieser Zeit draussen unterwegs und hörte das Klagen des Vaters. Am nächsten Abend machte er sich erneut auf den Weg in die Stadt. Nikolaus band drei Klumpen Gold in ein Tuch. Heimlich schlich er zurück zum Haus des armen Mannes und warf den Beutel durch das offene Fenster. Als der Vater das Gold fand, war seine Freude gross und er lobte Gott von Herzen, weil er nun seine Töchter nicht mehr wegzuschicken brauchte. Nikolaus aber machte keinen Heel aus seinen guten Taten und half weiter jeden Tag den Menschen, die ihn brauchten.
Schliesslich zog Nikolaus nach Myra. Myra war eine grosse Stadt und lag am Meer. In den Strassen ging es lebhaft zu und her. In den Gassen und auf dem Marktplatz boten Händler und Handwerker ihre vielen Waren an. Menschen aus fremden Ländern, die mit Schiffen angereist waren, tummelten sich in den engen Gassen.
Jeden Tag versammelte Nikolaus eine Gruppe von Männern und Frauen um sich herum, mit denen er betete und in der Bibel las. Er hielt Gottesdienste ab, unterrichtete die Kinder und half allen, so gut er konnte und wurde zum Hoffnungsträger. Schon bald hatte er eine eigene Gemeinde und war in ganz Myra bekannt und beliebt.
Als der alte Bischof von Myra starb und ein neuer gewählt werden musste, wurde Nikolas zum neuen Bischof von Myra geweiht. Von nun an hatte er noch mehr Arbeit und Verantwortung als zuvor. Mit dem Geld, das er aus Patras mitgebracht hatte, liess er für Menschen, die kein Zuhause mehr hatten, Häuser bauen. Dort konnten sie leben und arbeiten und etwas Geld verdienen. Er baute Waisenhäuser auf und kümmerte sich liebevoll um die armen Menschen in Myra.
Einige Jahre später zog eine schlimme Hungersnot über die Stadt. Die Sonne brannte jeden Tag. Wiesen und Felder verdorrten. Die Felder gaben keinen Ertrag mehr und schon bald waren alle Vorräte aufgebraucht. Die Menschen sassen traurig, hungrig und verzweifelt vor ihren Häusern und auch Nikolaus erlebte das ganze Elend jeden Tag hautnah mit.
Plötzlich wurde in der Stadt Myra die Nachricht verbreitet, dass drei mit Weizen voll beladene Schiffe des Kaisers von Konstantinopel in den Hafen eingelaufen waren. Als Bischof Nikolaus davon hörte, ging er zum Hafen und bat die Seeleute um hundert Mass Weizen von jedem Schiff um es den Hungernden zu geben. Die Männer aber weigerten sich, denn sie hatten grosse Angst vor dem Kaiser. «Kein einziges Korn darf fehlen, alles ist abgemessen und gehört dem Kaiser!», riefen sie. Da befahl ihnen Nikolaus mit eindringlicher Stimme: «Dem Kaiser wird kein Korn fehlen, vertraut mir und tut, was ich euch sage. Vertraut darauf, dass Gott uns alle versorgt!» Die Männer waren verstummt. Dann taten sie alles, was ihnen Nikolaus befohlen hatte. Nikolaus aber verteilte das Korn in der ganzen Stadt und auf dem Land an die Hungernden. Niemand wurde von Nikolaus vergessen und alle wurden satt.
Die drei Schiffe aber setzten ihre Fahrt fort. Als sie an ihr Ziel kamen und das Getreide für die Vorräte des Kaisers genaustens überprüft wurden, fehlte kein einziges Korn.
Die Nachricht vom Wunder verbreitete sich rasch. Daraufhin bereitete sich überall eine grosse Freude aus. Die Menschen freuten sich über das Wunder, dass sie erlebten, durften und preisten Gott. Nikolaus aber erklärte den Menschen, dass nicht er das Wunder vollbracht hat, sondern preiste Gott dafür, dass er ihnen geholfen hat.
Noch viele weitere Geschichten hat Nikolaus zu seinen Lebzeiten erlebt und vielen Menschen auf wundersame Art und Weise geholfen. Sein ganzes Leben vertraute Nikolaus treu auf Gott und hatte immer ein offenes Auge für Menschen, denen etwas fehlte, ein offenes Ohr für Menschen, die seinen Rat brauchten und offene Arme, für die Menschen, die seine Hilfe brauchten. Im Alter von 65 Jahren starb Nikolaus an einem 6. Dezember. Viele Jahre später wurde Nikolaus heiliggesprochen.
Bis heute nutzen viele Menschen, rund um die Welt, diesen Tag um Nikolaus zu gedenken. Die Geschenke, die der Samichlaus jeweils zum Nikolaustag verteilt, sollen auch uns jedes Jahr daran erinnern, dass wir unsere Mitmenschen nicht vergessen und uns besonders um diese Menschen kümmern, die selbst nicht genug haben und am Rande der Gesellschaft leben.